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Das Fünf-Domänen-Modell des Tierwohls

Die aktuelle Gesetzgebung der Europäischen Union zum Tierschutz basiert weitgehend auf den Fünf Freiheiten, die Brambell 1965 eingeführt hat (siehe unsere Bibliografie). Zu diesen Freiheiten gehören: Freiheit von Hunger und Durst, von Unbehagen, von Schmerz, Verletzung und Krankheit, von Angst und Stress sowie die Freiheit, normales Verhalten auszuleben. Traditionell wurde die Sicherstellung des Tierwohls als Erfüllung dieser Grundbedürfnisse verstanden – negative Erfahrungen wie Schmerz und Angst zu reduzieren und Tieren zu ermöglichen, natürliche Verhaltensweisen wie Bewegung und Fellpflege auszuleben. Diese Sichtweise ist jedoch begrenzt, wenn es darum geht zu verstehen, was wirklich gutes Tierwohl ausmacht und wie es gemessen werden kann.

The foundation of animal welfare.

Während die Fünf Freiheiten anerkennen, dass Tiere empfindungsfähig sind und Schmerz sowie andere negative Emotionen erleben können, garantiert allein das Vermeiden dieser Zustände noch kein lebenswertes oder gutes Leben für das Tier. Gutes Tierwohl bedeutet, dass das Tier positive Emotionen wie Freude, Zuversicht, Interesse und ein Gefühl der Kontrolle über seine Umgebung erlebt. Dazu gehören auch Möglichkeiten zur Erkundung, zum Problemlösen sowie ausreichend körperliche und geistige Aktivität und Ruhe. Es ist wichtig zu berücksichtigen, wie altersbedingte Veränderungen die Fähigkeit eines älteren Hundes beeinflussen können, positives Tierwohl zu erleben.

Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass Assistenzhunde in allen Phasen ihrer Laufbahn ein gutes Leben führen sollten. Betreuungspersonen sollten sich bemühen, die gesetzlichen Mindeststandards für das Hundewohl zu übertreffen, und sich darauf konzentrieren, negative Erfahrungen zu minimieren und zugleich Möglichkeiten für positive zu schaffen. Dieser Ansatz basiert auf dem Fünf-Domänen-Modell des Tierwohls, das manchmal auch als Fünf Versorgungsbereiche und Wohlfahrtsziele bezeichnet wird. Um dies zu erreichen, sollten Betreuungspersonen über fundiertes Wissen, Fähigkeiten und Empathie verfügen, damit sie Probleme im Bereich Tierwohl wirksam erkennen und angehen können.

Das Fünf-Domänen-Modell des Tierwohls ermöglicht eine klare, strukturierte Beurteilung des Tierwohls, die sowohl umfassend als auch schlüssig ist (D. Mellor 2017). Die darin dargestellten Domänen sind für die Beurteilung und das Management des Tierwohls in menschlicher Obhut relevant. Sowohl die inneren als auch die äußeren Zustände und Umstände eines Tieres können systematisch beurteilt werden, indem das Tier anhand der ersten vier Domänen dieses Modells bewertet wird: „Umwelt“, „Ernährung“, „Verhalten“ und „Gesundheit“ – diese vier bilden die Grundlage für die fünfte Domäne „Mentaler Zustand“, fließen in sie ein und beeinflussen sie (D. Mellor 2017; Hampton et al. 2023). Zusammen ermöglichen diese Domänen ein fundiertes Verständnis und eine Bewertung des Wohlergehens eines Tieres. Das Fünf-Domänen-Modell des Tierwohls, ursprünglich 1994 formuliert, wird regelmäßig aktualisiert, um neue, verifizierte Entwicklungen im Wissen und in der Expertise der Tierschutzwissenschaft zu berücksichtigen (D. J. Mellor et al. 2020).

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Kriterien, die für das Fünf-Domänen-Modell des Tierwohls berücksichtigt werden. Dies ist keineswegs eine vollständige Darstellung. Interessierten wird empfohlen, die genannten Artikel zu lesen, um ein vertieftes Verständnis dieses Wohlfahrtsmodells zu erhalten. Mellor (2017, 4) nennt Beispiele (keine vollständige Liste) für Faktoren, die als Grundlage für positive und nachteilige Erfahrungen in allen fünf Domänen vorhanden sein müssen. Das von Mellor entwickelte Modell bietet eine gewisse Struktur und eine systematische Beurteilung.

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